Kontrapunkt und StimmführungFortgeschritten2 Min. Lesezeit

Guide-Tone-Linien

Was sie sind

Die Terzen und Septimen der Akkorde sind die Töne, die deren Qualität bestimmen (Dur, Moll, Dominante). Verbindet man sie von Akkord zu Akkord mit minimaler Bewegung, entstehen glatte Linien, stufenweise oder über einen gemeinsamen Ton: die Guide-Tone-Linien, eine der Säulen der Harmonielehre-Kurse am Berklee.

Beispiel in C: Em7 – A7 – Dm7 – G7 – Cmaj7

  • Em7: G (3), D (7)
  • A7: C# (3), G (7)
  • Dm7: F (3), C (7)
  • G7: B (3), F (7)
  • Cmaj7: E (3), B (7)

Linie 1: D → C# → C → B → B (chromatischer Abstieg).

Linie 2: G → G → F → F → E.

Im Quintenzirkel tauschen Terz und Septime stets die Rollen: Die Septime sinkt um einen Halbton und wird zur Terz des folgenden Akkords.

Anwendungen

  • Arrangement: Streicher, Bläser oder Chöre, die über einem Bass nur die Guide Tones spielen: vollständige Harmonie mit zwei Stimmen.
  • Klavier: dreistimmige Voicings (Grundton + 3 + 7 oder 7 + 3) zur Begleitung.
  • Melodie und Improvisation: Terzen und Septimen bei den Akkordwechseln anzusteuern lässt die Melodie „in der Harmonie“ liegen.
  • Background Vocals: zwei Stimmen, die unter dem Lead „Ooh“ auf den Guide Tones singen.

Beispiel aus der Praxis

„Autumn Leaves“ ist die klassische Übung für Guide Tones: Über den ii–V-Ketten bilden Terzen und Septimen zwei fast chromatisch absteigende Linien, die viele Arrangeure den Bläsern oder Streichern anvertrauen.

Quellen

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