HarmonielehreAnfänger3 Min. Lesezeit

Die 50er-Jahre-Progression (Doo-Wop): I – vi – IV – V

Die Progression

I – vi – IV – V: in C C – Am – F – G. Sie ist die „50er-Jahre-Progression“ oder Doo-Wop-Progression, weil sie die afroamerikanische Vokalmusik und den Rock'n'Roll der 50er und frühen 60er Jahre dominiert. Eine sehr nahe Variante ist I – vi – ii – V (C – Am – Dm – G), der Jazz-Turnaround.

Beispiele

  • The Penguins, Earth Angel (1954).
  • Ben E. King, Stand by Me (1961): A – F#m – D – E.
  • Hoagy Carmichael, Heart and Soul (1938): das berühmte Klavierduett, in den Versionen I – vi – IV – V und I – vi – ii – V.
  • Blue Moon (Rodgers & Hart, 1934): I – vi – ii – V.
  • The Police, Every Breath You Take (1983): A – F#m – D – E (mit anderer Bridge).
  • Unchained Melody: verwendet in der Strophe I – vi – IV – V.

Analyse

AkkordCAmFG
StufeIviIVV
FunktionTTpSD
  • Alle drei Funktionen hintereinander, abgeschlossen von einer Dominante, die zu I zurückführt: ein vollständiger Zyklus T – T – S – D.
  • Der Bass C – A – F – G fällt in Terzen und steigt dann stufenweise: einfach und sangbar.
  • Das vi fügt jene „romantische“ Note von Melancholie hinzu, die für die langsamen Stücke der 50er typisch ist.

I – vi – IV – V gegen I – vi – ii – V

I – vi – IV – VI – vi – ii – V
BassC A F GC A D G
BewegungIV → V stufenweiseii → V im Quintschritt (mehr „Jazz“)
FarbePop, Rock'n'RollStandard, Swing

Die Version mit ii ist die Grundlage der Rhythm Changes und der Turnarounds.

Doo-Wop-Arrangement

  • Tempo: 60–80 BPM im 12/8 (langsam) oder 4/4 Swing; das Klavier spielt Triolen aus repetierten Akkorden.
  • Chor: sinnfreie Silben („doo-wop“, „sha-la-la“, „oo-wah“) auf Akkordtönen, oft mit der Bassstimme, die die Grundtöne singt.
  • Solostimme im Falsett in den hohen Phrasen.
  • Tenorsaxofon in den Soli.

Moderne Varianten

  • Umkehrungen: C – Am/C – F – G (der Ton C bleibt für zwei Akkorde im Bass) oder C – C/E – F – G (Bass steigt stufenweise).
  • Erweiterungen: Cmaj7 – Am7 – Fmaj7 – G7sus4 – G7.
  • Mit Zwischendominante: C – A7 – Dm – G (I – VI7 – ii – V): jazziger.
  • Im aktuellen Pop: Die Progression kehrt in Retro-Balladen und im „Vintage“-Pop zurück (Bruno Mars, Amy Winehouse, Meghan Trainor verwenden oft Abläufe I – vi – IV – V oder I – vi – ii – V).

Übung für Produzenten

  1. 12/8 bei 66 BPM, Klavier mit Akkordtriolen C – Am – F – G (je ein Takt).
  2. Dreistimmiger Chor auf „oo“: E – E – F – D (hohe Stimme), C – C – C – H (mittlere), G – A – A – G (tiefe).
  3. Gesangsbass oder Kontrabass auf den Grundtönen mit Durchgängen (C – E – G – A über dem Akkord C).

Verweise

Axis-Progression, Rhythm Changes, das Jazz-ii–V–I, Vokalharmonik und Voicings für Chor, Progressionen und Loops im Pop.

Quellen

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