Form und AnalyseAnfänger4 Min. Lesezeit

Bluesformen: 12-, 8- und 16-taktiger Blues, AAB-Text, Intro, Turnaround und Schlüsse

Der Blues als Form

Der Blues ist zugleich ein Genre, eine melodische Sprache (Blue Notes, Bending) und eine Form: Die verbreitetste ist der 12-taktige Blues, es gibt aber auch Formen mit 8, 16 und 24 Takten. Dieser Beitrag betrachtet Form und Arrangement; zur detaillierten Harmonik und zu den Jazz-Substitutionen siehe „Der Blues: 12-taktige Form und Harmonik“, „Der Jazzblues“, „Der Moll-Blues“ und „Bird Blues“.

Der 12-taktige Blues und der AAB-Text

Das harmonische Grundschema in A (A7 = I7, D7 = IV7, E7 = V7):

Takte1–45–89–12
AkkordeI7 I7 I7 I7IV7 IV7 I7 I7V7 IV7 I7 V7 (Turnaround)
TextA: VerszeileA: dieselbe Zeile wiederholt (manchmal variiert)B: Antwortzeile, die mit einem Reim schließt

Jede viertaktige Zeile hat eine Frage-Antwort-Struktur: Der Sänger singt etwa 2 Takte lang, dann antwortet das Instrument (Fill) in den übrigen 2. Das ist das Call and Response, das aus den Worksongs und der afroamerikanischen Musik stammt.

Varianten der 12-taktigen Form:

  • Quick Change (Quick Four): IV7 in Takt 2 (I7 – IV7 – I7 – I7 …).
  • Turnaround in den Takten 11–12: I7 – V7, oder I7 – VI7 – ii7 – V7, oder der chromatische Abgang, der für den Chicago Blues typisch ist (A7 – A7/G – D/F♯ – Dm/F – A/E – E7).
  • Der Moll-Blues (Im7, IVm7, ♭VI7–V7).

Der 8-taktige Blues

  • Gängiges Schema: I – V – IV – IV | I – V – I – V, oder I – I7 – IV – IVm | I – V7 – I – V7.
  • Beispiele: „Key to the Highway“ (aufgenommen 1940–41 von Jazz Gillum und von Big Bill Broonzy; später Eric Clapton), „Trouble in Mind“, „Heartbreak Hotel“ (Elvis Presley, 1956).
  • Der Text ist in der Regel AB (zwei Zeilen).

Der 16-taktige Blues

  • Er entsteht oft durch Verlängerung des ersten Teils (8 Takte I7 statt 4) oder durch Wiederholung der Takte 9–10.
  • Beispiel: Herbie Hancock, „Watermelon Man“ (1962), 16-taktiger Blues mit einem Schlussabschnitt, der die Kadenz wiederholt.

Intros, Stop-Time und Schlüsse

  • Intro „vom V“: Man steigt mit den letzten 4 Takten der Form ein (V7 – IV7 – I7 – V7), sodass der erste Chorus auf der Tonika beginnt.
  • Intro mit Riff: 2 oder 4 Takte des Hauptriffs über I7.
  • Stop-Time: In den ersten 4 Takten des Chorus spielt die Band nur den ersten Schlag jedes Takts (oder 2 Schläge) und lässt Gesang oder Solisten frei stehen: ein Klassiker für die mittleren Chorusse.
  • Schlüsse: chromatischer Abgang über dem V (E7 – F7 – E7 oder ♭II7–I7: B♭7 – A7), Triller des Gitarristen, gehaltener I9- oder I7♯9-Akkord; im Rock ’n’ Roll der „wiederholende“ Schluss auf den letzten beiden Takten.

Die Form eines Bluesstücks (Arrangement)

  1. Intro (4 Takte: V–IV–I–V oder Riff).
  2. Gesungener Chorus 1 (12).
  3. Gesungener Chorus 2 (12).
  4. Gitarren- oder Mundharmonikasolo (1–3 Chorusse).
  5. Gesungener Chorus mit Stop-Time oder geringer Dynamik.
  6. Schluss-Chorus (oft ein „Shout“ in voller Lautstärke).
  7. Schluss mit Turnaround und Abschlussakkord.

Im Jazz folgt der Blues der Logik Head–Soli–Head (siehe den entsprechenden Beitrag), wobei die 12-taktigen Themen zweimal gespielt werden.

Typische Grooves

  • Shuffle (Triolen mit erster und dritter Note, Swing bei etwa 66 %): Chicago Blues, Texas Blues.
  • Slow Blues im 12/8-Takt: „Red House“ von Jimi Hendrix, B. B. King.
  • Gerade Achtel / Rock: „Johnny B. Goode“ (Chuck Berry, 1958), aufgebaut auf der 12-taktigen Form.
  • Boogie-Woogie: Ostinatobass in Achteln (Grundton, Terz, Quinte, Sexte, Septime).

Übung für Produzenten

Erstelle in FL Studio eine vollständige Bluesform in A bei 95 BPM mit Swing von 60–66 %: Intro vom V, zwei Chorusse mit einer Stimme oder einem Lead, der jeder Zeile 2 Takte Raum lässt (Call and Response mit einer Gitarre), ein Solo-Chorus, ein Chorus in Stop-Time (nur Schlag 1 jedes Takts für Schlagzeug und Bass), Schluss-Chorus und Schluss mit B♭7 – A7. Versuche mit derselben Struktur, einen 8-taktigen Blues-Rock-Song zu schreiben.

Verweise

Der Blues: 12-taktige Form und Harmonik, Der Jazzblues, Der Moll-Blues, Bird Blues, Head–Soli–Head im Jazz, Call and Response (Frage und Antwort), Bluesskalen, Shuffle und Swing: Prozentwerte und Programmierung.

Quellen

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