Definition
Das Call and Response ist ein musikalischer Dialog: Auf eine Phrase (den Ruf, Call) folgt eine zweite Phrase (die Antwort, Response), die sie kommentiert, wiederholt oder vervollständigt. Es stammt aus den Musiktraditionen West- und Subsahara-Afrikas, in denen sich Solist und Gruppe abwechseln; es ist in Arbeitslieder, Spirituals, Gospel, Blues, Jazz, Soul, Funk, Rock und Hip-Hop übergegangen.
Formen des Call and Response
- Solist und Chor: Der Solist singt eine Phrase, der Chor antwortet mit einer festen Phrase (typisch für Gospel und Soul).
- Stimme und Instrument: Die Stimme singt, ein Instrument antwortet in den Pausen (Blues: Die Gitarre antwortet der Stimme).
- Gruppe gegen Gruppe: Trompeten gegen Saxofone in der Big Band, Streicher gegen Bläser im Orchester.
- Künstler und Publikum: Der Sänger ruft, das Publikum antwortet (live).
- Innerhalb der Melodie: Die beiden Hälften einer Phrase sind Frage und Antwort (Vorder- und Nachsatz).
Wie man es aufbaut
- Raum: Der Ruf muss eine ausreichende Pause lassen (meist 1–2 Takte) für die Antwort.
- Klangkontrast: Wer antwortet, hat eine andere Farbe (Chor nach Solist, Bläser nach Stimme).
- Melodische Beziehung: Die Antwort kann den Ruf wiederholen (Echo), umkehren (steigt/fällt), auf der Tonika beenden (schließt die Frage) oder fest bleiben, während sich der Ruf ändert (Antwort-Refrain).
- Register: Die Antwort liegt oft in einem anderen Register (tiefer oder höher), um unterscheidbar zu sein.
Beispiel: 12-taktiger Blues in A
- Takte 1–2: Stimme (Call) über A7.
- Takte 3–4: Gitarre antwortet mit einem Lick der a-Moll-Pentatonik (A C D E G).
- Takte 5–6: Stimme wiederholt die Phrase über D7.
- Takte 7–8: Gitarre antwortet über A7.
- Takte 9–10: Stimme schließt über E7–D7.
- Takte 11–12: Gitarre beendet mit dem Turnaround.
Call and Response im modernen Pop
- Vokaler Hook und Vocal Chop: Die Stimme sagt den Titel, ein bearbeiteter Vocal Chop antwortet.
- Ad-libs: die Antworten in Klammern („yeah“, „oh“) auf die Hauptlinie.
- Synth, der dem Rap antwortet: Im Trap spielt ein Pluck oder eine Flöte in den Lücken zwischen den Bars des Rappers.
- Antwortchöre im Refrain: Die Hauptstimme singt eine lange Phrase, die Chöre wiederholen die letzten 2–3 Wörter.
Verwendung in realen Stücken
- Ray Charles — What'd I Say (1959): Dialog zwischen Ray Charles und den Raelettes.
- Cab Calloway — Minnie the Moocher (1931): Publikum und Orchester wiederholen die Vokalisen des Sängers.
- James Brown — Say It Loud – I'm Black and I'm Proud (1968): Solist und Kinderchor.
- Count Basie Orchestra: Bläserriffs als Antwort auf die Phrasen des Solisten.
- Kanye West, Travis Scott: Antwort-Ad-libs als Markenzeichen.
Im Arrangement
Das Call and Response ist eines der besten Mittel, um Raum zu füllen, ohne ihn zu überladen: Wenn die Antwort nur in den Pausen der Stimme erklingt, bleibt der Mix sauber. Bobby Owsinski nennt diese Elemente „Fills“ (Füllsel) und betrachtet sie als eine der fünf Funktionen eines Arrangements.
Häufige Fehler
- Antworten, die sich mit dem Ruf überlagern (es ist kein Dialog mehr).
- Immer gleiche Antworten durchs ganze Stück: Variiere sie zumindest im letzten Abschnitt.
- Antworten im selben Register und mit demselben Klang wie die Hauptstimme.
Praktische Übung
Schreibe eine Gesangsphrase von 2 Takten in a-Moll und lasse 2 leer. Fülle die Lücke mit drei verschiedenen Antworten: einem Gitarrenlick, einem dreistimmigen Chor (Wiederholung der letzten Wörter), einem Synth-Pluck. Wähle eine Antwort für die Strophe und eine für den Refrain.
Verweise
Der Blues: 12-taktige Form und Harmonik, Gegenstimme und Gegenmelodie, Gospelchor, Ad-libs und Vocal Runs, Dichte und Raum im Arrangement.