Kontrapunkt und StimmführungFortgeschritten3 Min. Lesezeit

Modale dritte Gattung: vier Noten gegen eine, Durchgänge und Wechselnoten

Was sie ist

In der dritten Gattung hat der Kontrapunkt vier Viertelnoten gegen jede Note des Gesangs. Die Linie wird fließend und beinahe instrumental; die Dissonanzen sind zahlreicher, bleiben aber stets kontrolliert. Hier lernt man die Wechselnote, den doppelten Durchgang und die Cambiata.

Regeln

  1. Erstes Viertel: immer konsonant.
  2. Zweites und viertes Viertel: konsonant oder durchgangsweise dissonant (schrittweise in derselben Richtung).
  3. Drittes Viertel: konsonant; es kann nur als Durchgang dissonant sein, wenn das zweite und das vierte konsonant sind.
  4. Wechselnote: Dissonanz, die sich um einen Schritt entfernt und zur Ausgangsnote zurückkehrt (C5–H4–C5); sie wird auf dem zweiten oder vierten Viertel verwendet, vorzugsweise als untere Wechselnote.
  5. Cambiata: Dissonanz auf dem zweiten Viertel, die schrittweise abwärts geht, einen Terzsprung abwärts auf eine Konsonanz macht und schrittweise wieder aufsteigt (siehe das eigene Blatt dazu).
  6. Quinten und Oktaven: Prüfe das vierte Viertel und das erste des folgenden Taktes sowie die ersten Viertel aufeinanderfolgender Takte.
  7. Anfang: Man kann mit einer Viertelpause beginnen.
  8. Kadenz (Kontrapunkt oben in Dorisch): G4 A4 H4 C#5 über E4, dann D5. A4 ist die durchgehende Quarte, C#5 die große Sexte, die sich in die Oktave öffnet.

Beispiel in D-Dorisch, Kontrapunkt oben

Gesang: D4 F4 E4 D4 G4 F4 A4 G4 F4 E4 D4

TaktGesangViertel
1D4Pause A4 H4 C5
2F4D5 C5 A4 H4
3E4C5 D5 E5 C5
4D4H4 C5 D5 C5
5G4H4 C5 D5 E5
6F4F5 E5 D5 A4
7A4C5 D5 E5 C5
8G4H4 C5 D5 H4
9F4A4 H4 C5 A4
10E4G4 A4 H4 C#5
11D4D5

Analyse der Dissonanzen:

  • Takt 1: C5 über D4 (Septime) geht von H4 nach D5 durch.
  • Takt 2: H4 über F4 (übermäßige Quarte) geht von A4 nach C5 durch.
  • Takt 3: D5 über E4 (Septime) geht von C5 nach E5 durch.
  • Takt 4: C5 über D4 zweimal, Durchgang aufwärts zum D5 und dann abwärts zum H4.
  • Takt 6: E5 über F4 (große Septime) geht von F5 nach D5 durch; der Höhepunkt F5 liegt auf dem ersten Viertel.
  • Takte 7–10: Die Quarten (D5 über A4, C5 über G4, A4 über E4) und der Tritonus H4 über F4 sind alle durchgehend.

Typische Figuren

  • Durchgangsskala: vier Noten schrittweise (H4 C5 D5 E5) verbinden zwei weit entfernte Konsonanzen.
  • Wechselnote: D5 C5 D5 oder D5 E5 D5 verzieren eine gehaltene Note.
  • Konsonanter Arpeggio: A4 C5 E5 C5 über A4 umreißt den Dreiklang; er sollte mit Schritten abgewechselt werden.
  • Doppelter Durchgang: zwei aufeinanderfolgende schrittweise Dissonanzen (auf dem zweiten und dritten Viertel), von vielen modernen Lehrbüchern zugelassen, wenn die Linie in derselben Richtung fortfährt.

Typische Fehler

  • Dissonanz auf dem ersten Viertel.
  • Dissonanz, die per Sprung verlassen wird (außer der Cambiata).
  • Linie, die ständig um dieselben drei Noten kreist: Der Höhepunkt fehlt.
  • Quinten zwischen dem ersten Viertel zweier aufeinanderfolgender Takte (A4 über D4, dann D5 über G4 mit einer aufsteigenden Tonleiter: Fehler verdeckter Quinten auf den betonten Zählzeiten).

Moderne Anwendung

  • Basslinien und Riffs: Vier Noten pro Akkord mit Durchgängen und Wechselnoten sind die Grammatik der melodischen Basslinien (Motown, orchestraler Pop).
  • Streicher und Holzbläser im Film: Figuren der dritten Gattung über einem langsamen Orgelpunkt erzeugen Bewegung, ohne die Harmonie zu wechseln.
  • A-cappella-Chöre: Die instrumentalen Stimmen (Dum-dum, Vokalbässe), die sich in Vierteln unter einem Refrain bewegen, sind angewandte dritte Gattung.

Verweise

Kontrapunkt der dritten Gattung, Cambiata, akkordfremde Töne, modale zweite und vierte Gattung.

Quellen

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