Definition
Ein Polyrhythmus überlagert zwei unterschiedliche Unterteilungen derselben Dauer: „3 gegen 2“ bedeutet drei gleiche Noten in der Zeit, in der zwei andere gespielt werden. Dieser Beitrag ist praxisorientiert: wie man die Positionen berechnet, wie man sie mit den Händen spielt oder programmiert, wie man sie in einem Stück einsetzt. (Die allgemeine Theorie steht im Beitrag „Polyrhythmik, Hemiole und Polymetrik“.)
Die Methode des kleinsten gemeinsamen Vielfachen
Teile die gemeinsame Dauer in kgV(a, b) Impulse; Stimme A spielt alle kgV/a Impulse, Stimme B alle kgV/b.
| Polyrhythmus | Raster | Stimme A | Stimme B | Kombiniertes Pattern |
|---|---|---|---|---|
| 3:2 | 6 | 1, 3, 5 | 1, 4 | X . A B A . |
| 4:3 | 12 | 1, 4, 7, 10 | 1, 5, 9 | X . . A B . A . B A . . |
| 5:4 | 20 | 1, 5, 9, 13, 17 | 1, 6, 11, 16 | — |
| 7:4 | 28 | 1, 5, 9, 13, 17, 21, 25 | 1, 8, 15, 22 | — |
(X = beide zusammen, A = nur Stimme A, B = nur Stimme B, „.“ = Pause.)
In Millisekunden
Bei 120 BPM dauert ein 4/4-Takt 2000 ms.
- 4 Noten: alle 500 ms (Viertel).
- 3 Noten pro Takt (3:4 auf dem Takt, halbe Note als Triole): alle 666,7 ms.
- 5 Noten: alle 400 ms. 7 Noten: alle 285,7 ms.
Nützlich, um Delays mit freiem Tempo einzustellen oder einen programmierten Polyrhythmus zu kontrollieren.
Wie man es mit den Händen (oder mit Pads) spielt
- 3:2: Zähle langsam „1-2-3-4-5-6“; rechte Hand auf 1, 3, 5, linke auf 1 und 4. Das kombinierte Pattern ist lang-kurz-kurz-lang …; am besten sagst du das Raster laut und beschleunigst erst, wenn es automatisch geht.
- 4:3: Zähle 12, rechte Hand auf 1-4-7-10, linke auf 1-5-9. Das Kombinierte hat ein erkennbares „galoppierendes“ Profil. Es ist dasselbe Verhältnis wie in der berühmten Passage der Fantaisie-Impromptu op. 66 von Chopin (Sechzehntel gegen Triolen).
- 5:4 und 7:4: Sie lassen sich bei realem Tempo nicht gut im Raster zählen; man lernt sie, indem man die ungerade Stimme als eigene Melodie über einem festen Puls hört. Übung: Metronom auf den Vierteln, singe 5 gleiche Silben („ta-ka-di-mi-ta“ aus dem indischen Konnakol) pro Takt, bis die letzte immer vor der neuen 1 ankommt.
- Allgemeine Strategie: eine Stimme nach der anderen, dann beide zusammen bei 50 % des Tempos, dann jeweils um 5 % steigern.
Wie man es in FL Studio programmiert
- 3:2 und 4:3 sind einfach: Verwende Snap „1/3 beat“ für Achteltriolen, „1/6 beat“ für Sechzehnteltriolen; die Halbe-Noten-Triole (3 pro Takt) schreibt man mit Noten von 4/3 Beat (Snap 1/3 beat, Dauer 4 Einheiten).
- 5 und 7 liegen nicht auf dem Standardraster: Die Projektauflösung (PPQ) muss in den Projekteinstellungen auf 960 erhöht werden; ein Takt von 3840 Ticks, durch 5 geteilt, ergibt genau 768 Ticks. Für 7 (548,57 Ticks) runde oder arbeite mit Snap „None“ und beobachte die Position.
- Kreative Alternative: Erstelle ein Pattern mit anderer Länge (z. B. ein Pattern von 5 Steps) und verlängere es in der Playlist: Das ist ein Polyrhythmus durch Polymetrik (siehe unten).
Polyrhythmus vs. Polymetrik
Beim Polyrhythmus starten die beiden Stimmen bei jedem Zyklus gemeinsam neu (3 Noten und 2 Noten in derselben Dauer). Bei der Polymetrik richten sich zwei Zyklen unterschiedlicher Länge mit derselben Einheit (ein Arpeggio von 3 Sechzehnteln über einem Takt von 16) erst nach kgV Impulsen wieder aus (48 Sechzehntel = 3 Takte).
Musikalisches Beispiel in a-Moll
Bei 110 BPM: Kick und Bass auf den Vierteln mit Am – F; Marimba, die A–C–E in Triolen von halben Noten arpeggiert (3 Noten pro Takt = 3:4 auf dem Takt); Hi-Hat in Sechzehnteln. Das Ergebnis: ein Ostinato, das über dem Raster „schwebt“. Lass im letzten Takt vor dem Refrain die ganze Band dieselbe Triole spielen, um ein Hemiolen-Fill zu erzeugen.
Einsatz in echten Stücken
- Afrokubanisch und Afrobeat: 3:2 ist die Grundlage des 6/8 gegen 4 (Glocke und Conga gegen den Schritt in 2). Fela Kuti baut ganze Grooves auf Verflechtungen dieser Art.
- Trap: Hi-Hat-Rolls in Sechzehnteltriolen auf einem Sechzehntelraster = momentanes 3:2.
- Chopin, op. 66 (4:3) und viele Seiten von Skrjabin und Brahms (3:2 zwischen den Händen).
Übung
- Programmiere 4 Takte 4:3 mit zwei verschiedenen Percussion-Instrumenten (Rim und Cowbell) und nimm dich auf, während du es auf den Pads spielst.
- Füge eine Stimme in 5 auf einer gefilterten Tom hinzu und höre, nach wie vielen Takten dir das Pattern „sich zu wiederholen“ scheint.
Verweise
„Polyrhythmik, Hemiole und Polymetrik“, „Triolen und unregelmäßige Gruppen“, „Afrikanische Timelines: das Bell Pattern im 12/8-Takt“, „Metrische Modulation“. Literatur: Toussaint, „The Geometry of Musical Rhythm“; Gary Chester, „The New Breed“ für die Unabhängigkeit der Gliedmaßen.