HarmonielehreFortgeschritten2 Min. Lesezeit

Der Moll-Blues: Form, Varianten und Stücke

Definition

Der Moll-Blues ist die 12-taktige Bluesform, aufgebaut auf Mollakkorden für I und IV und mit einer iiø–V7–i-Kadenz (oder bVI7–V7–i) am Ende. Er ist der „nächtliche“ Blues, viel verwendet im modalen Jazz, im Soul Jazz und in Noir-Soundtracks.

Die Grundform (c-Moll)

TaktAkkordStufe
1–4Cm7im7
5–6Fm7ivm7
7–8Cm7im7
9Abmaj7 oder Ab7bVImaj7 / bVI7
10G7altV7
11Cm7im7
12Dø7 G7iiø7 V7

Varianten der Takte 9–10:

  • Dø7 – G7alt (klassisches iiø–V).
  • Ab7 – G7: Ab7 ist das Tritonus-Substitut von D7 und fällt im Halbton nach G7: sehr wirkungsvoll.
  • Abmaj7 – G7: weicher, filmische Farbe.

Interne Varianten

  • Takt 4: Gø7 – C7alt (ii–V zu Fm7), um das iv zu tonikalisieren.
  • Takt 8: Dø7 – G7 (Vorwegnahme der Kadenz) oder Ab7.
  • Tonika: Cm6 oder Cm(maj7) statt Cm7 für eine jazzigere Farbe (melodische Mollskala).
  • Turnaround: | Cm7 Eb7 | Abmaj7 G7 | (i – bIII7 – bVI – V).

Referenzstücke

  • Mr. P.C. (John Coltrane, 1959, Album Giant Steps): Moll-Blues in c-Moll, schnell, dem Bassisten Paul Chambers gewidmet.
  • Equinox (Coltrane, cis-Moll): langsam und modal.
  • Birk’s Works (Dizzy Gillespie, f-Moll).
  • Footprints (Wayne Shorter, 1966): Moll-Blues im 6/4-Takt über 24 Takte in c-Moll, mit einem eigenen Turnaround, in dem die Dominanten im Halbton fallen, bevor sie nach Cm zurückkehren.
  • The Thrill Is Gone (B.B. King, Version von 1969): elektrischer Moll-Blues in h-Moll, mit dem bVI – V in der zweiten Hälfte.

Skalen

  • Dorisch auf dem im7 (C D Eb F G A Bb): modale Farbe, die große 6 (A) bringt Licht.
  • Äolisch (mit Ab) für einen dunkleren Klang, stimmig zum bVI.
  • Moll-Bluesskala (C Eb F F# G Bb) über der ganzen Form.
  • Über dem V7: harmonisch Moll von der V (G Ab B C D Eb F) oder alteriert.

Unterschied zum Dur-Blues

Dur-BluesMoll-Blues
IDominante (C7)Moll (Cm7)
IVDominante (F7)Moll (Fm7)
Takt 9V7 oder iibVI oder iiø
Blue Notesb3 und b7 über Durakkorden: Reibungb3 und b7 sind Akkordtöne: keine Reibung

Übung für Produzenten

  1. 12-Takt-Loop bei 95 BPM, leichter Swing (56 %), E-Bass mit langen Tönen.
  2. Rhodes mit den Voicings Cm9 (Eb G Bb D), Fm9 (Ab C Eb G), Ab7#11, G7alt (F B Eb Ab).
  3. Schreibe ein Sax-Riff über der Moll-Pentatonik, das sich in den Takten 1, 5 und 9 gleich wiederholt: Der Akkordwechsel „liest“ dieselbe Phrase neu.

Querverweise

Der Jazzblues, Bird Blues, Harmonik in Molltonarten, Tritonus-Substitution, Chord-Scale-Theorie.

Quellen

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