Definition
Die Mid/Side-Darstellung (M/S) beschreibt ein Stereosignal mit einem Summenkanal und einem Differenzkanal:
M = (L + R) / 2 S = (L − R) / 2
und man kehrt zu links und rechts zurück mit L = M + S, R = M − S. Eine Variante erhält die Energie mit dem Faktor 1/√2 anstelle von 1/2. Der Mid-Kanal enthält, was in beiden Kanälen gleich ist (zentrierte Quellen und gemeinsame Komponente seitlicher Quellen); der Side-Kanal enthält die Unterschiede (seitliche Komponenten, Ambience, gegenphasiger Inhalt). Bei der Normalisierung auf 1/2 gilt P_L + P_R = 2 · (P_M + P_S).
Für eine mit den Verstärkungen g_L und g_R gepante Quelle: M = (g_L + g_R)/2 · x, S = (g_L − g_R)/2 · x. Eine Quelle in der Mitte hat S = 0; eine Quelle ganz links hat M = S. Die Multiplikation von S mit einem Faktor w steuert die Breite: w = 0 Mono, w = 1 unverändert, w > 1 breiter. Das Verhältnis Side/Mid in dB (10 · log10(P_S / P_M)) misst die Breite; bei Kanälen gleicher Leistung beträgt es (1 − ρ)/(1 + ρ), mit ρ als Korrelation. Dieselbe Codierung liegt der M/S-Aufnahmetechnik zugrunde (frontales Nieren- oder Kugelmikrofon plus seitliches Mikrofon mit Achtercharakteristik).
Parameter und Einheiten
- Verstärkung Side / Mid: dB.
- Width: % (0% Mono, 100% unverändert, 200% Side +6 dB).
- M/S-EQ: unabhängige Bänder auf dem Mid- oder Side-Kanal.
- Hochpass auf dem Side: 80–150 Hz, 12–24 dB/Oktave.
- Gemessenes Side/Mid: etwa −20 dB oder weniger nahezu Mono; −10/−6 dB breites Bild; nahe 0 dB sehr breit, mit dem Risiko von Phasenproblemen.
Musikalische Funktion
Die M/S-Bearbeitung erlaubt es, getrennt auf die Mitte und die Seiten einzuwirken: Im Mastering zentriert man die Bässe, indem man den Side filtert, fügt den Seiten Luft hinzu, ohne die Stimme in der Mitte zischend zu machen, verringert den Mulm in der Mitte, ohne Gitarren und Pads auszuhöhlen, komprimiert oder de-esst nur den Mid. Im Mix dient sie dazu, Busse von Chören, Pads und Overheads zu verbreitern oder zu verschmälern und zu breite Halle zu kontrollieren.
Praxisbeispiel
- Rechnung: L = 0,8, R = 0,2 → M = 0,5, S = 0,3; Side/Mid = 20 · log10(0,3/0,5) = −4,4 dB.
- Mastering: Hochpass auf dem Side bei 120 Hz, 12 dB/Oktave; Shelving +1,5 dB ab 8 kHz auf dem Side; Glocke −1 dB bei 300 Hz, Q 1, auf dem Mid. In der Analyse geht die Breite des Bandes Sub von −14 auf −28 dB, die des Bandes Luft von −9 auf −7,5 dB; die Korrelation bleibt über +0,5.
- Chor-Bus: Side +2 dB (Width 126%) und Hochpass auf dem Side bei 200 Hz: Die Chöre werden breiter, ohne seitliche Energie in den unteren Mitten hinzuzufügen.
Häufige Fehler
- Den Side um mehr als +3 dB auf dem gesamten Mix anheben: Mono verliert Pegel und es treten Phasenartefakte auf.
- Den Side zu hoch filtern (über 250–300 Hz): Das Bild verengt sich in den Mitten und der Mix wirkt verschlossen.
- Minimalphasige EQs mit starken, unterschiedlichen Eingriffen auf M und S verwenden: Die Phasenverschiebung zwischen den beiden Kanälen verändert das Bild; für deutliche Korrekturen ist Linearphase vorzuziehen.
- Die L/R-Balance mit dem Side/Mid-Verhältnis verwechseln.
- Den Side als vom Mid unabhängigen Kanal behandeln: Jede Änderung verändert auch L und R.
So überprüfst du es
- Analyse der App: Side / Mid (Gesamtenergie) für die Gesamtbreite; Breite jedes Bandes (Verhältnis Side/Mid pro Band) für das Frequenzprofil; Stereokorrelation und Pegelabfall bei Mono-Summierung, um zu prüfen, dass der Eingriff die Mono-Kompatibilität nicht beeinträchtigt.
- Getrenntes Hören: Höre nur den Mid und nur den Side mit einem M/S-Plugin (Ozone Imager, FabFilter Pro-Q im Mid/Side-Modus): Der Side muss Ambience und seitliche Instrumente enthalten, nicht Stimme oder Bass.
- Vorher und nachher: Analysiere in der App die Datei vor und nach der M/S-Bearbeitung und vergleiche die Breiten pro Band.
Ausgangseinstellungen
| Parameter | Wert | Warum |
|---|---|---|
| Hochpass auf dem Side | 80–150 Hz, 12–24 dB/Oktave | Zentrierte, monokompatible Bässe. |
| High-Shelf auf dem Side | +1/+2 dB ab 8–10 kHz | Luft an den Seiten ohne Zischlaute in der Mitte. |
| Width auf Chor- und Pad-Bus | 110–140% | Kontrollierte zusätzliche Breite. |
| Side-Verstärkung auf dem Mix | ≤ +2/+3 dB | Darüber Verlust in Mono und Artefakte. |
| Deutlicher M/S-EQ | Linearphase | Keine Phasenverschiebung zwischen Mid und Side. |
| Side/Mid Band Sub | ≤ −20 dB | Nahezu monofoner Sub. |
So prüfst du das Ergebnis
- Breite des Bandes Sub ≤ −20 dB und des Bandes Bässe ≤ −15 dB nach der M/S-Bearbeitung.
- Side / Mid (Gesamtenergie) zwischen −12 und −5 dB im Pop-Mix.
- Stereokorrelation ≥ +0,3 und Mono-Abfall ≤ 1,5 dB nach dem Eingriff.
- Der allein gehörte Side-Kanal enthält weder Leadstimme noch Bass.