Arrangement und OrchestrierungFortgeschritten3 Min. Lesezeit

Streichertechniken

Warum man sie kennen sollte

Die Spieltechniken (Artikulationen) der Streicher verändern die Klangfarbe stärker als jedes Plugin: Derselbe Akkord kann warm, nervös, gespenstisch oder perkussiv klingen. In virtuellen Bibliotheken ist jede Technik ein eigenes Sample, das per Keyswitch ausgewählt wird: Die italienischen Bezeichnungen zu kennen ist unverzichtbar.

Bogentechniken

  • Legato: mehrere Töne in einem Bogenstrich, ohne Unterbrechung. Mit dem Bindebogen angezeigt.
  • Détaché: ein Ton pro Bogenstrich, abgesetzt, aber nicht kurz; der „Standard“ in schnellen Passagen.
  • Staccato: kurze, getrennte Töne, mit dem Bogen auf der Saite.
  • Spiccato: Der Bogen springt auf der Saite; leicht und brillant, mittleres bis schnelles Tempo.
  • Sautillé: sehr schneller natürlicher Sprung in der Bogenmitte.
  • Martelé: kräftiger, artikulierter Anstrich, der Bogen „beißt“ in die Saite.
  • Marcato / Akzent: betonter und gehaltener Ton.
  • Portato (Louré): leicht getrennte Töne im selben Bogenstrich.
  • Jeté / Ricochet: Der Bogen wird geworfen und springt von selbst mehrmals auf.
  • Col legno battuto: Die Saite wird mit der Bogenstange aus Holz geschlagen; perkussiver, trockener Klang (Holst, Mars aus Die Planeten, 1914–1916).
  • Col legno tratto: Man streicht mit dem Holz; dünner, geräuschhafter Klang.

Kontaktpunkt

  • Sul ponticello: Bogen sehr nah am Steg; betont die hohen Obertöne, gläserner und metallischer Klang. In Verbindung mit Tremolo ist es der klassische Klang der Spannung.
  • Sul tasto (flautando): Bogen über dem Griffbrett; sanfter, matter, flötenähnlicher Klang.
  • Ordinario (ord.): Rückkehr zur normalen Position.

Tremolo und Triller

  • Ungemessenes Tremolo (Bogentremolo): sehr schnelle Bogenstriche auf demselben Ton (drei Balken am Notenhals); erzeugt Unruhe, Flirren oder Spannung.
  • Gemessenes Tremolo: Wiederholungen in einem genauen Notenwert (Sechzehntel, Zweiunddreißigstel).
  • Fingertremolo: schneller Wechsel zwischen zwei Tönen im selben Bogenstrich.
  • Triller: schneller Wechsel mit dem oberen Nachbarton (Halbton oder Ganzton).

Pizzicato und Varianten

  • Pizzicato (pizz.): Die Saite wird mit dem Finger gezupft; kurzer, runder Klang. Rückkehr mit „arco“.
  • Bartók-Pizzicato (Snap Pizz): Die Saite wird hochgezogen und schlägt auf das Griffbrett; trocken und heftig.
  • Pizzicato mit der linken Hand: mit „+“ bezeichnet, für virtuose Passagen.
  • Pizzicati im hohen Register der Violine haben wenig Dauer; beim Kontrabass sind sie sehr resonant (Jazz).

Flageoletts

  • Natürliche: Man berührt die leere Saite an einem Schwingungsknoten. In der Saitenmitte erhält man die Oktave; bei einem Drittel die Oktave plus Quinte.
  • Künstliche: Ein Finger drückt den Ton, ein anderer berührt die Saite eine Quarte darüber; es klingt zwei Oktaven über dem gedrückten Ton. Berührt man die Quinte, erhält man die Oktave plus Quinte über dem gedrückten Ton.
  • Reiner, flötenartiger, ätherischer Klang; verwendet für ferne Klangteppiche und magische Momente.

Weitere Techniken

  • Con sordino: ein kleiner Kamm auf dem Steg, verschleierter und intimer Klang. „Senza sordino“, um ihn abzunehmen.
  • Glissando / Portamento: Gleiten zwischen zwei Tönen; das Portamento ist ausdrucksstark und romantisch, das lange Glissando ist ein Effekt.
  • Bowing Pressure (Überdruck): Der Bogen wird so stark gedrückt, dass Geräusch entsteht; zeitgenössische Musik und Horror.
  • Abstrich (⊓, Frosch) und Aufstrich (V, Spitze): Der Abstrich ist stärker und betonter, der Aufstrich leichter.
  • Divisi, Doppelgriffe, gebrochene Akkorde (drei oder vier Saiten): siehe den Eintrag zu den Tonumfängen.

Effekte nach Genre und Kontext

  • Spannung und Horror: Tremolo sul ponticello, Cluster, Glissandi, Überdruck.
  • Pop-Ballade: Legato mit Vibrato, Sordino in den Strophen.
  • Epic / Trailer: Spiccato oder Staccato im Ostinato in 16 Stimmen, Marcato in den Bässen.
  • Disco und Philly Soul: Legato in der Höhe mit aufsteigenden Glissandi (String Swoops), rhythmische Staccati.

In virtuellen Bibliotheken

Typische Keyswitches: Long (Sustain), Legato, Short (Spiccato/Staccato), Pizzicato, Tremolo, Trill, Col legno, Harmonics. Der CC1 (Modulationsrad) steuert die Dynamik der langen Klänge, die Velocity die der kurzen. Für Realismus: Spiccato und Staccato abwechseln und nicht immer dieselbe Velocity verwenden.

Praktische Übung

Schreibe 8 Takte in a-Moll (Am–F–C–E) für Streicher in 5 Stimmen und setze sie in vier Versionen um: Legato mit Sordino, Spiccato in Achteln, Tremolo sul ponticello, Pizzicato. Höre, wie sich die dramatische Funktion derselben Harmonie verändert.

Verweise

Streicher: Tonumfänge, Schlüssel und Register, Streicherarrangement im Pop, Orchestrierung mit virtuellen Bibliotheken in der DAW, Verdopplungen und orchestrale Mischklänge.

Quellen